Gotthard Günther: Idee und Grundriß einer nicht-Aristotelischen Logik
3. Aufl. Meiner, Hamburg, 1991

Exzerpt von Nina Ort

Aus den Vorworten:

"Unsere klassischen Denkgesetze sind der direkte Ausdruck der Funktionsweise unseres Gehirns. [...] In diesem Sinn liefert die auf der einfachen Antithese von Sein und Nicht-Sein beruhende klassische Logik die primordiale Gestalt des Denkens. Sie reflektiert ihre eigenen Seinsbedingungen als logische Gesetze. Diese Einsicht provoziert sofort die weitere Frage: Ist unser Denken durch seine eigenen Existenzvoraussetzungen kategorial endgültig und erschöpfend determiniert, oder aber liegen in der Reflexion die Möglichkeiten zu einer Überdetermination, durch die sich dieselbe dem ursprünglichen und ausschließlichen Diktat einer existentiell und objektiv vorgegebenen Seinsthematik zu entziehen vermag?" (S. XI)

"Eine Wahr-und-Falschlogik produziert, wenn sie strikt formalisiert wird, einen zweiwertigen Kalkül. Was hindert uns nun, von einem solchen zu drei-, vier- oder generell n-wertigen Kalkülsystemen überzugehn?" (S. XII)

"Schon in einem dreiwertigen System als dem einfachsten Fall einer mehrwertigen Logik spaltet sich das einfache klassische Identitätsprinzip in das Doppelmotiv der unmittelbaren Seinsidentität und der inversen Reflexionsidentität. In einem vierwertigen Kalkül gabelt sich die Reflexionsidentität in weitere streng zu unterscheidende Identitätsmotive." (S. XIII)

"1. Eine zweiwertige Logik arbeitet mit ausschließlich extensionalen Begriffen und ist immer eine Theorie des objektiven, denktranszendenten Seins.
2. Jedes n-wertige System, wobei n > 2, ist eine formale Theorie des Reflexionsprozesses. Die mehrwertige Logik ist technisch extensional, aber begrifflich-thematisch intensional.
3. Der Unterschied von 1. und 2. konstituiert die Unterscheidung von Aristotelischer und nicht-Aristotelischer Logik." (XVII)

"Es gilt also zuerst ein philosophisches Modell für die mehrwertigen Kalküle zu liefern, das uns erlaubt, mit solchen Systemen inhaltlich interpretativ zu arbeiten und das vor allem ein unbeschränktes Identifizierungsverfahren für beliebige mehrwertige Funktoren liefert." (XVII)

"Der klassische Kalkül kennt einen und nur einen Begriff von "und"." (XVIII)

"Man will immer noch nicht sehen, daß das einfache Umtauschverhältnis von Affirmation und Negation, das durch die klassische Negationstafel bestimmt wird, einen Denkzwang auslöst, der sich in einem metaphysischen Glauben an eine final ontische Symmetrie von Subjekt und Objekt manifestiert." (XXIII f)

"Das einfache Umtauschverhältnis von Affirmativität und Negation, mit dem die klassische Logik anfängt, wurde in seiner Anwendung auf die Welt immer als ein Rang- oder Vorzugsverhältnis gedeutet, in dem die eine Komponente der anderen unbedingt über- bzw. untergeordnet wurde." (XXIV)

"Statt uns zu einem universalen Subjekt hinzuführen, trägt die Selbstthematisierung des Reflexionsprozesses nur zu einer weiteren Aufsplitterung und ungeahnter Vervielfältigung autonomer Ichzentren bei. Nur seelenlose Objektivität erhält sich in der Einheit, Subjektivität lebt nur in der Vielheit." (XXV)

"Auf Grund solcher †berlegungen ergab sich, daß die Dreiwertigkeit zwar formal einen Schritt über das Klassische hinaus suggerierte, daß ihre ontologische Interpretation, auf die es in "Idee und Grundriß" ja ausdrücklich ankam, aber noch ganz der klassischen Weltvorstellung angehörte." (XXVI)

zitiert Heinrich Scholz: "Und was ist von dieser Logik zu erwarten? Es ist zu verlangen, daß sie das Schließen ebenso unabhängig macht von dem Denken an die inhaltliche Bedeutung der Sätze, die in einen Schlußprozess eingehen, wie die neue Mathematik das Rechnen im weitesten Sinne des Wortes ... unabhängig gemacht hat vom Denken an die inhaltliche Bedeutung der Zeichen, die in diese Rechnungen eingehen." (4)

Günthers Theorem: "das Denken ist von höherer metaphysischer Mächtigkeit als das Sein." (13)

"D.h. in der Aussage: Denken und Sein sind metaphysisch identisch, bleibt ein Reflexionsrest bestehen, der jeder eindeutigen Abbildung auf das Sein unbedingt widersteht." (17)

"Erst die Möglichkeit von Freiheitsgraden in einer Logik macht dieselbe zu einem formalen System. Nur Form ist Freiheit. Inhaltliche Bestimmung aber ist gewesene Freiheit, ist Zwang." (22)

"Die Frage nach dem Sein ist das erste und grundlegende Thema der Metaphysik. Die Reflexion, die sich als Subjekt verdichtet, ist nur ihr sekundärer Widerschein." (24)

"Logisch gesprochen: in der seinsthematischen Orientierung des Denkens verschwindet der Pluralität stiftende Gegensatz von Ich und Du. Was für ein beliebiges Ich logisch wahr ist, gilt in dem gleichen Sinn für jedes jeweilige Du." (24)

II. Kapitel

"Das Tertium non datur ist ein logischer Grundsatz einer naiven Weltanschauung, die Realität mit natürlichem Sein identifiziert, d.h. mit Sein, das absolut objektiv ist und in dessen Beschreibung das reflektierende Bewußtsein nicht hineindefiniert zu werden braucht." (129)

"Was durch das Tertium non datur ausgeschlossen wird, ist die Reflexion, die über das metaphysische Grundthema dieser Logik hinausgehen will. Wenn wir das Urteil fällen: die Rose ist rot, so haben wir ein relatives Prädikat gebraucht, das das volle Sein des Gegenstandes nicht erschöpft. [...] D.h., die Reflexion hat die Macht, die ursprüngliche Alternative zu verwerfen. Das ist in dem Terminus "nicht-rot" impliziert. Deshalb schließt "nicht-rot" solche positiven Prädikate wie "duftend", "dornig" usw. ein." (133)

"Jenes "Dritte" neben Positivität und irreflexiver Negation ist der Reflexionsprozeß des denkenden Subjekts selbst, der von jetzt ab in den Formalismus hineindefiniert werden soll. Diese Logik hat mit der drei- oder mehrwertigen Wahrscheinlichkeitslogik das gemein, daß "wahr" kein absolut positives Datum mehr sein kann." (139)

"Es kommt diesem Denken nirgends der Gedanke, daß Realität vielleicht nicht mit der objektiv gegebenen, sinnlich und gegenständlich erfahrbaren Welt identisch ist. Daß der objektive Tatbestand der Welt vielleicht nur eine Teilkomponente des gesamten Wirklichkeitszusammenhanges ist." (140)

"Ein Drittes, nämlich eine zwischen kontradiktorischen Prädikaten oszillierende Existenz, ist ausgeschlossen [...]." (141)

"Subjektivität, Geist, Sinn wird in dieser Logik [der Platonisch-Aristotelischen; N.O.] entweder nur a-thematisch mitgeführt oder fremd-thematisch verstanden. D.h., es wird unter einer logischen Fundamentalkatgeorie begriffen, die dem Wesen der Subjektivität vällig fremd ist. Die Fundamentalkatgeorie ist: objektive Identität. Aber das ist gerade das Wesen der Subjektivität, daß sie nicht mit ihrem Gegenstand identisch ist. Sie reflektiert die Identität nur als das Wesen des anderen, das ihr in den sich selbst beschlossenen Dingen gegenübertritt." (141)

"Das heißt aber: Die Reflexion als Reflexion, also als Subjektivität, gehört dem Seienden nicht an und ist aus der identitätstheoretischen Thematik ausgeschlossen. Dies endgültig festzustellen ist die Aufgabe des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten. Das Tertium non datur definiert somit den allgemeinsten formalen Sinn von absolut subjektfreier Objektivität [...]." (141)

"Damit aber spaltet sich der ursprünglich kontradiktorische Gegensatz von Reflexion (~...) und Gegenstand der Reflexion in eine unendliche Vielheit relativer konträrer Gegensätze plus einem absoluten kontradiktorischen Gegensatz auf. D.h., die Negation wird doppeldeutig. Sie ist erstens subjektiver Negationsprozeß und zweitens negierter Sachverhalt im Gegenstaz zum bejahten Sachverhalt." (152)

"Das Tertium non datur impliziert, daß auf dem Boden einer zweiwertigen Logik die Reflexion sich selbst als Sein verstehen muß. D.h., sie ist immer diejenige positive Bestimmung, die das ihr gegenüberstehende Ding nicht ist. Sie kann nichts "Drittes" sein. Das Dritte existiert nicht, weil es aus dem Gesamtthema des Denkens herausfällt. Diese Thema ist "Sein" und "Nichts"." (152 f)

"Die material-regulative Bedeutung lag, wie bereits gesagt, darin, daß das Tertium non datur für eine Alternative "rot oder nicht-rot" nur im Hinblick auf einen übergeordneten Bestimmungsgesichtspunkt schlechthin gilt. In unserem Fall ist er das Farbensystem. Schließt man aber in das Prädikat "nicht-rot" Bestimmungen ein, die nicht dem Farbensystem angehören, so bedeutet das, daß die Geltung des Tetium non datur eingeschränkt ist. Zwischen beiden Prädikaten existiert dann als Drittes die Reflexion, die noch nicht darauf festgelegt ist, in welchem endgültigen Sinn die Alternative zu interpretieren ist." (155)

"Es existieren keine logischen Reflexionsprozesse, die eine nicht-seinsthematische Interpretation zuließen, die es also erlaubten, "nicht-rot" so zu verneinen, daß wir in dieser zweiten Verneinung nicht zu "rot" zurückkehrten. Alle klassische Reflexion ist durch den Drittensatz seinsthematisch gebunden." (156)

"Der Sinn der Implikation beruht ausdrücklich darauf, daß das Negative (die Reflexion) eine hähere logische Mächtigkeit hat als das Positive. D.h., das Positive impliziert nur sich selbst, das Negative aber impliziert sowohl sich selbst wie das Positive. Also, der positive Wert ist durch die Implikation zwar im Negativen gebunden, aber der negative nur formal - auf dem Umweg über die Äquivalenz - im positiven." (158 f)

""Oder" hat als logische Konstante eine exklusive Bedeutung, und in der Implikation impliziert der negative Wert nicht nur den positiven. Er impliziert überdies sich selbst. Das führt zu einem scheinbaren Paradox. [...] In der Selbstimplikation wird nun - wie wir schon feststellten - nichts anderes ausgedrückt, als daß jeder Wert mit sich selbstidentisch ist. Das ist trivial, aber da in der Implikationsfunktion der negative Wert auch den positiven impliziert, wird hier weiterhin behauptet, daß der negative Wert überdies mit dem positiven identisch ist. [...] Der positive Wert ist nur mit sich selbst identisch. Der negative dagegen ist sowohl mit sich selbst als auch mit dem anderen identisch." (162)

"Übertragen wir den Bedeutungsgehalt dieser Sätze auf die Implikation, so ist ohne weiteres ersichtlich, daß Identität hier nicht als Reflexionsidentität gemeint ist. Die Symmetriebehauptung ist nämlich nur dann richtig, wenn "x" und "y" den gleichen Wert haben. Nur dann läßt sich die irreflexive Identität reflexiv als Implikation interpretieren. Nehmen wir an, daß "y" einen von "x" verschiedenen Wert besitzt, dann ist auch damit die ontologische Identität der beiden nicht ausgeschlossen, aber sie würde in der Logik als Reflexionsidentität erscheinen, d.h. als Identität im Negativen." (163)

"Außerdem wird im Idealismus immer wieder übersehen, daß "x = x" keinesfalls der erste Satz der Identität ist, sondern bereits ein abgeleiteter." (164)

"Jeder Gedanke enthält eine Komponente ungebundener Reflexion, der nichts Objektives korrespondiert. Diese ungebundene Reflexion ist es, die das Denken "dialektisch" weitertreibt, weil sie eine thematische Bindung sucht. Reflexion oder Denken kann nämlich nicht ungebunden existieren. Es muß immer etwas gedacht werden." (165)

"Damit aber widerspricht der transzendentale Idealismus seinen eigensten logischen Intentionen. Denn wenn die Reflexion letztlich doch nur die klassische These von der metaphysischen Identität von Denken und Sein voraussetzt - dann ist die mühsam gemachte Unterscheidung von Seins- und Reflexionsidentität nicht nur überflüssig, sie ist logisch sinnlos." (165)

"Wenn nämlich Denken und Gegenstand oder "Ich" und "Ding" die einzigen metaphysischen Varianten von Sein sind, dann kann es keinen einzigen subjektiven Reflexionsprozeß geben, der sich nicht restlos als objektiver Vorgang beschreiben ließe. Subjektive und Objektive Kategorien sind dann grundsätzlich vertauschbar." (166)

"Was die Reflexion im zweiwertigen System des Denkens nicht kann, ist sich selbst als Reflexion zu verstehen." (168)

"Hegel projiziert die seinsthematisch nicht gebundene Reflexion in die Zeit und entwickelt so einen materialen dialektischen Prozeß. [Hier; N.O.] liegt eine Flucht aus der formalen Logik vor [...]." (170)

"Wie entsteht Rationalität im Bewußtsein und welche logische Bedeutung hat der Prozeßcharakter eines abstrakten Begriffs?" (172)

"Dieser irreflexiven Seinsthematik der klassischen Tradition der Logik tritt aber nun [...] eine zweite logisch-philosophische Thematik des Denkens gegenüber, die sich dadurch auszeichnet, daß sie auf alles bisherige Denken reflektiert. Sie setzt dasselbe also nicht direkt fort, sondern hebt sich ausdrücklich davon ab, indem sie alle bisherigen Reflexionsformen des menschlichen Denkens, qua Reflexionsform, zu einem neuen logischen Thema ausbildet." (173)

"Kurz, abgesehen davon, daß sie [Begriffe; N.O] als Dinge behandelt werden können, sind sie außerdem aktuelle Prozesse." (174)

"Das Bewußtsein ist identisch mit sich selbst. Und diese Identität ist eine andere als die eines bloßen Objekts mit sich selbst [...]. Sie ist Reflexionsidentität." (174)

"Es kommt der philosophischen Logik nicht in den Sinn, daß Subjektivität sowohl als Ich wie als Du begriffen werden muß, daß diese beiden hermeneutischen Prozesse nicht aufeinander reduzierbar sind und in der Konzeption eines gemeinsamen (den Gegensatz von Ich und Du übergreifenden) transzendentalen Subjektes unmöglich aufgelöst werden können." (176)

"Es liegt demgemäß nicht ein einfacher Unterschied vor, in dem sich die Reflexionsidentität konstituiert, sondern ein doppelter." (176)

"Hegel sieht nicht, daß es sich hier um eine präzis formale logische Umtauschrelation handelt. Er bemerkt wohl, daß die Reflexion einen thematisch ungebundenen Reflexionsrest produziert; aber da ihm nicht der Gedanke kommt, denselben auf den Unterschied der Reflexion im Ich und Du zurückzuführen, erklärt er denselben - echt klassisch - durch die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt des Denkens und sucht ihn durch den dialektischen Prozeß endgültig zu beseitigen." (179)

III Kapitel

"Dieser Tatbestand drückt sich in dem Umstand aus, daß es ganz unsinnig ist, sich den traditionellen Aussagenkalkül zwei- oder mehrstufig zu denken. Aussagen sind keine logischen Gebilde, in denen sich irreflexive Motive des Denkens mit reflexiven verbinden." (184)

"Die Gültigkeit des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten beruht also darauf, daß es im Aussagenkalkül möglich ist, den Reflexionsprozeß von den reflexiven und irreflexiven Aussagedaten genau zu trenne. Dies kann auch auf die folgende Weise ausgedrückt werden: auf dem Niveau der Aussagenlogik ist das denkende Subjekt nicht mit in den Kalkül hineindefiniert. Der Kalkül stellt deshalb eine prozeßhaft sowohl wie sachlich abgeschlossene Reflexion dar." (186 f)

"Man kann diesen Sachverhalt nur dann vollständig verstehen, wenn man begreift, daß Negation als Reflexionsprozeß, d.h. als bloßes Umtauschverhältnis, und Negation als negierter Sachverhalt auf dieser ersten Stufe der Logik genau unterscheidbar sind. Das kann in älterer klassischer Terminologie auch so formuliert werden: es besteht für den Aussagenkalkül ein exakt definierbarer Unterschied zwischen totaler Negation und partiellem Negieren. Und da das denkende Subjekt relativ zu unanalysierten Aussagen immer nur mit dem totalen Aspekt der Negation identifiziert werden kann, ist es samt seinem ewig unruhigen Reflexionsprozeß, der sich mit keinem geschlossenen System beruhigen will, aus diesem Sektor der Logik ausgeschlossen. Sofern die Negation hier auftritt, ist sie gebunden und endgültig in ihrem (partiellen) Sinn festgelegt. Deshalb ist diese erste Stufe der Logik vollständig und entscheidungsdefinit." (187)

"Aber da Allheit und Existenz nicht direkt miteinander vertauschbar sind, ist es unmäglich, mit Hilfe der Quantifikatoren eine endgültige Grenze zwischen Reflexion und Gegenstand der Reflexion zu ziehen. Mit anderen Worten: es ist unmöglich, den Reflexionsprozeß aus der Logik zu entfernen. Das denkende Subjekt ist in die logischen Formeln, die quantifizierende Operatoren enthalten, in jedem Fall mit hineingenommen." (187)

zitiert Heisenberg:
"Der völlig isolierte Gegenstand (hat) prinzipiell keine beschreibbaren Eigenschaften mehr." (187)

"Mehr noch: es wird in der mathematischen Logik ausdrücklich erklärt, daß das Verhältnis des theoretischen Bewußtseins zu seinem Denken das zentrale Problem aller Bemühungen um die Logik sei. Nur der Name des Problems hat gewechselt. Es heißt heute das Entscheidungsproblem. [...]
Das Entscheidungsproblem entsteht auf dem Boden der Quantifikationstheorie und ist nichts anderes als eine indirekte Anerkennung, daß die Operatoren der Quantifikation eine Komponente ungebundener Reflexion enthalten. D.h., das denkende Subjekt ist im Quantifikationsbegriff indirekt impliziert. Und jedes partiell wirksame Entscheidungsverfahren ist nichts anderes als ein Versuch, den subjektiven Reflexionsprozeß, der an der Idee der Quantifikation beteiligt ist, wieder zu eliminieren." (189)

"Damit stehen wir aber vor einer unerwarteten Schwierigkeit. Das Prädikat eines logischen Satzes repräsentiert einen Reflexionsprozeß. Aber der Ausdruck "f(...)" ist nichts weiter als ein objektiver "Mechanismus", der ebenso gegenständlich ist wie das Satzsubjekt, auf das er sich bezieht. Der negative Reflexionscharakter des Denkens, durch den der Denkakt sich von seinem Gegenstand unterscheidet, kommt in der bloßen Form von "f(...)" nicht zur Geltung." (191)

"Die Eigenschaft, von logischen Individuen (Satzsubjekten) prädikabel zu sein, ist ein Charakteristikum, das besagte Individuen nicht an sich haben, sondern das ihnen nur mit Beziehung auf ein denkendes Bewußtsein, also mit Hinsicht auf einen Reflexionsprozeß zukommt. Ein logisches Prädikat hat zwar eine objektive Komponente, insofern es einem Denkgegenstand zukommt. Viel wichtiger aber ist, daß es eine subjektive Komponente hat, in der sich seine Eigenschaft ausdrückt, eine Reflexionssituation in einem denkenden Bewußtsein zu repräsentieren." (192)

"[...] wir schreiben an: "~f(x)" und machen den Versuch, uns Rechenschaft darüber zu geben, was dieser negierte Ausdruck bedeuten soll. Es stellt sich dann heraus, daß er nichts bedeutet, weil man aus ihm nicht ablesen kann, ob "~f(x)" heißen soll: "für alle x gilt ~f(x)" oder: "es ist falsch, daß für alle x die Prädikation f(x) gilt." Was in dieser Zweideutigkeit zutage tritt, ist die spezielle Art und Weise, in der der Reflexionsprozeß sich im Prädikat manifestiert." (193)

" Ein "Individuum" ist ausschließlich logischer Gegenstand und als solcher streng irreflexiv. Ein "unendlicher Bereich" aber ist ein Reflexionsmotiv, das nie vällig in rein objektive Gegenständlichkeit aufgeläst werden kann. Dieses Motiv enthält zwar eine objektive Komponente, aber es enthält auch eine subjektive Komponente und die letztere ist in diesem Begriff die wesentlichere. D.h., das denkende Subjekt, resp. der Reflexionsprozeß, ist in die Konzeption "unendlicher Bereich" mit hineingenommen und kann von ihm nicht abgetrennt werden." (194)

"In der Quantifikationstheorie aber wird implizit die philosophische Frage aufgeworfen: wenn der Aussagenkalkül, in dem der Reflexionsprozeß nur durch "~..." vertreten, nichts weiter als die formale Identität von Denken und Sein in einem zweiwertigen System feststellt, wie verhält es sich dann mit der materialen Identität? Die formale Identität ist nichts weiter als "logisch", d.h. strukturell und abstrakt (weshalb es auf dieser Stufe mechanische Demonstrationen für Wahrheit gibt ), sie ist aber nicht wirklich "metaphysisch", eben weil die inhaltliche, die ontologische Identität von Denken und Sein durch sie in keiner Weise gewährleistet ist." (195f)

"Sie [die Reflexion, N.O.] hat neben dem irreflexiven Thema "x" einen "zweiten" Gegenstand. Nämlich sich selbst, so wie sie am ersten Gegenstand orientiert ist." (196)

"Der Begriff des "ersten" Gegenstandes hatte den Sinn, etwas vom Denken Unabhängiges zu sein, weshalb die Reflexion zu ihm auch nur eine formale Beziehung haben konnte. Andererseits schließt der Begriff des "zweiten" Gegenstandes - wenn das Denken als Reflexion in sich darauf reflektierte, daß es einen eigenen denkunabhängigen Gegenstand hat - ausdrücklich ein, daß derselbe vom Denken abhängig, oder besser: ein funktionales Element des Reflexionsprozesses selber ist." (196 f)

"Unser erstes (klassisches) Thema ist reines "Sein". [...]
Unser zweites Thema aber ist: "Sinn". Damit ist gemeint, daß wir unser eigenes Denken, also den Prozeß der Reflexion selbst, zum Gegenstande machen. Wir entdecken, daß sich das Denken auf sich selbst, qua Denken, richten kann. Im Falle des ersten Themas wendete sich die Reflexion nach "außen". In dem zweiten Falle der Sinnthematik aber wendet sie sich nach "innen". Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in dieser Reflexion nach innen ein neuer Begriff des logischen Gegenstandes entwickelt wird. Zwar muß vorerst zugestanden werden, daß alles, was überhaupt gedacht wird, zum "objektiven" Gegenstand des Denkens gemacht wird." (205)

"[...] daß der Sinn von Objektivität in beiden Fällen verschieden ist. Der echte seinsthematische Gegenstand ist das total andere gegenüber der Reflexion. Er repräsentiert radikale Denkfremdheit und absolute Nicht-Identität gegenüber dem Reflexionsprozeß." (205)

"Nichts von dieser Beschreibung aber trifft auf den "zweiten" Gegenstand des Reflexionsprozesses Zu. Sein Ursprung ist ausdrücklich nicht an das andere, das dem Denken a priori Entgegengesetzte und nur Faktische. Dieser zweite Gegenstand der Logik kommt vielmehr per definitionem aus der Reflexion selbst her. Er ist ein Stück abgespaltener Reflexion, daß das Denken zum Zweck einer Selbstanalyse aus sich herausgesetzt hat." (206)

"Der zweite Gegenstand besitt notwendig schwächere Identitätseigenschaften.[...] Er ist deshlab niemals ganz das, was er ist. Ursprünglich ist er prozeßhafte Subjektivität, Innerlichkeit, sich in theoretischen Sinnrelationen konstituierende Ichhaftigkeit. Aber qua Subjektivität, qua Innerlichkeit und qua sich selbst erlebender, reiner, sich selbst unendlich transparenter Sinn kann er nicht gedacht werden." (206)

"Die Vergegenständlichung der Reflexion als zweites Objekt des Denkens und als Material einer neuen trans-klassischen Theorie der Logik darf nie vollständig durchgeführt werden. Der Kontakt mit dem aktuellen Denkprozeß, au dem der neue Gegenstand abgezogen worden ist, darf nie vollkommen abgebrochen werden." (206)

"Denn das Denken als Denken, als Reflexion ist eben nicht originales Sein im klassischen Sinn. Und die als Objekt betrachtete und objektiv formulierte Reflexion repräsentiert keine denkunabhängige Existenz." (206)

"Die Logik hat es, wie wir bereits in anderem Zusammenhang festgestellt haben, auf dieser Ebene mit ganzen Sätzen zu tun. Also mit fertigen Produkten des Denkens, in denen die spezifische Struktur des Reflexionsprozesses, der sie hervorgebracht hat, ohne Schaden ignoriert werden kann und faktisch auch ignoriert wird. Es besteht deshalb auch nicht die geringste Schwierigkeit, diese Sätze als echte Objekte zu interpretieren." (209)

"Die Differenz zwischen diesen beiden Standpunkten haben wir mit dem Worte "Thema" bezeichnet. Und es scheint, daß uns die gegenwärtige Entwicklung der Logik unweigerlich die Annahme aufzwingt, daß das rationale Denken des Menschen nicht nur ein logisches Fundamentalthema, nämlich Objektivität = Sein, sondern noch ein zweites, nämlich Objektivität = Reflexionssinn, umfaßt." (210)

"Erstens zeigt das eben beschriebene Dilemma, daß es prinzipiell unmöglich ist, die Identität einer logischen Konzeption, wie etwa "Element" oder "Klasse", durch eine unbeschränkte Stufenreihe von Verallgmeinerungen unverändert festzuhalten. Darauf läuft nämlich die Whiteheadsche Kritik der Typentheorie letzten Endes hinaus. Der Begriff des logischen Typus, auf den reflektiert wird, ist nicht derselbe wie der, in dessen Rahmen der Reflexionsprozeß selbst sich abspielt. Da aber unsere bisherige Logik nicht erlaubt, thematisch zwischen dem Gedachten als Gedachtes und dem Gedachten als Denken zu unterscheiden, ist die Differenzierung zwischen Typen von logischen Typen überhaupt unzulässig." (213)

"Kant ist der erste, der gesehen hat, daß die Reflexion selber aber niemals als eine echt objektive Größe verstanden werden kann." (216)

"[...] wenn man sich einmal die Frage vorlegt, was eigentlich jenes mysteriäse Dritte sein mag, das durch das Tertium non datur ausgeschlossen werden soll. Die Antwort ist: Die sich weiter reflektierende Reflexionskraft des Bewußtseins. Was man nicht bemerkt hat, ist, daß diese Antwort in der gegebenen Form ziemlich wertlos sein muß, da sich leicht nachweisen läßt, daß sie einen durchaus zweideutigen Charakter hat." (217)

"Damit aber verliert das Etwas, das allem theoretischen Denken zugrunde liegt, seine ursprüngliche Identität, in der es, wie es an anderer Stelle heißt: gleichgültig gegenüber sich selbst ist. In dem "tiefer genommenen" Verstehen des Etwas wird also die ursprüngliche Identitätsthematik des Denkens verlassen, weil man mit dem Tertium non datur an eine Grenze der Reflexion gelangt ist, in der der ursprüngliche Denkgegenstand, das Etwas, seine erste ("tote") Identität verliert." (219)

"Nun aber lesen wir bei Hegel, daß jenes absolut objektive Sein, das den Gegensatz von Positivität und Negation trägt, sich in einer Reflexion auf das naive, seinsthematisch orientierte Denken als die Einheit der Reflexion selbst entpuppt. D.h., in der Reflexion auf die Reflexion kann das ursprüngliche Thema des toten Etwas, also eines absolute objektiven Seins, nicht mehr festgehalten werden. Der Begriff der logischen Objektivität wechselt seinen Sinn, und aus einem "Entgegengesetzten" wird in der neuen Reflexion der "Grund der Entgegensetzung"." (219)

"In der Sprache der Logik und der Kalkülrechnung: Wir benötigen, um jenes Dritte zu beschreiben, zwei designierte und einen nicht designierten Wert." (220)

"Erstens das ursprüngliche Positive der ersten unmittelbaren (klassischen) Reflexion, die ganz in ihrem Gegenstande aufgehen will; und zweitens das ihr komplementäre Negative, das jetzt zu einem Objekt zweiter Ordnung gemacht wird. Diese zweite logische Objekt benätigt, wie wir schon oft betont haben, seinen eigenen Wert, um es von dem ersten Objekt zu unterscheiden. Dies sind die beiden designierten Werte. Von ihnen aber hebt sich der dritte Wert ab, der jene neue Reflexion repräsentiert, die sich mit dieser Entgegensetzung von ursprünglicher Positivität und Negation befaßt." (220)

"Hegel identifiziert also ganz ahnungslos Formalismus mit Zweiwertigkeit." (220)

"Hegels "Drittes" ist kein echtes Drittes, denn es wird in der Geschichte (Zeit) zwischen den beiden Gegensätzen von Positivität und Negation "vermittelt". Es enthüllt sich schließlich als die Einheit der beiden, eine Einheit, die nirgends über den thematischen, zweiwertigen Gegensatz von Thesis und Antithesis hinausgeht, der sich deshalb auch in der Geschichte mit monotoner Regelmäßigkeit von der Schöpfung an bis zum jüngsten Gericht wiederholt." (222)

"Er [Hegel; N.O.] kommt schlechthin nicht auf den Gedanken, daß die Existenz eines Reflexionsrestes in unserem seinsthematischen Denken ein Anzeichen dafür sein könnte, daß unser Denken überhaupt nicht mono-thematisch ist und daß es neben dem ersten Thema "Sein" noch ein zweites Thema von ebenbürtiger logischer Relevanz - und begabt mit einem eigenen transklassischen Formalismus - geben könnte." (226)

IV Kapitel

"Die ersten drei Kernaxiome, betreffend die logischen Elementarmotive von Identität, Widerspruch und ausgeschlossenem Dritten, sind fomalisierbar. Der Satz vom Grunde aber ist in dem gleichen kalkülmäßigen Sinne nicht formalistisch darstellbar." (231)

"Man vergesse nicht, jenes "Dritte", das durch das Tertium non datur aus dem logischen Formalismus ausgeschlossen wird, ist ja, nach Hegel, der Grund oder das Urmotiv, das uns überhaupt dazu verleitet, die Anstrengung des Denkens auf uns zu nehmen. D.h., wir denken, weil wir einen zureichenden Grund für diese Tätigkeit des reflektierenden Bewußtseins haben." (231)

"Das Wort "zureichend" ist noch zu schwach. Um die Reflexion in Bewegung zu setzen, muß mehr als ein zureichender, es muß ein zwingender Grund dafür vorliegen." (231)

"Wenn aber der Grund - also das, was uns zum Denken zwingt - das eigentliche Thematik produzierende Prinzip der Logik ist, dann wird sein systematischer Zusammenhang mit dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten unmittelbar deutlich. Das Tertium non datur liefert den allgemeinen Rahmen, in dem sich das formale Denken bewegt. Es besagt, daß dieses Denken stets zweiwertig ist und deshalb nirgends über die Alternative " p v ~ p" hinausgehen kann. Der Satz vom Grunde sagt dann zusätzlich aus, was das inhaltlichen Thema ist, das sich in diesem Rahmen entwickelt - und sich als einziges in ihm entwickeln kann. D.h., das vierte und letzte logische Axiom der klassischen Tradition gibt, wie Leibniz richtig gesehen und Hegel korrekt interpretiert hat, dem zweiwertigen Formalismus seinen inhaltlichen Sinn und philosophische Bedeutung." (233)

"[...] daß das "Dritte" deswegen ausgeschlossen ist, weil es nicht formal ist und auf der Basis einer zweiwertigen Logik selbstverständlich nicht formalisiert werden kann. [...] Und damit befindet es sich außerhalb des Denkens." (233)

"Eine solche dialektische Verschmelzung verschiedener Reflexionsstufen liegt in den eben zitierten Sätzen vor. Was Hegel sich zu sagen bemüht, ist, daß der Begriff des Grundes zweideutig ist und sein logischer Sinn ganz von dem Reflexionsniveau abhängt, auf dem seine Relevanz erfaßt wird." (234)

"Es wird weiterhin festgestellt, daß ein derartig an Identität fixiertes Denken es für sich selbst unmöglich macht, sich in "konsequenten" Widersprüchen (Paradoxien) zu bewegen. Damit wird indirekt gesagt, daß dieses Bewußtsein an ein Thema des Denkens gebunden ist, das ihm sein Regeln vorschreibt." (236)

"Die "Vermittlungen", die in jedem Stadium der Hegelschen Philosophie auftreten, sind immer Reflexionen zweiter Ordnung, also Reflexionen auf die erste Reflexion und ihren Gegenstand." (237)

"Dieser Reflexionsüberschuß ist vielmehr ein Anzeichen für die Existenz einer zweiten Logik, die die erste oder klassische Logik als Spezialthema in sich faßt, die aber in ihrer eigenen Thematik weit über das Thema ­objektives Sein' hinausgeht und die ihren eigenen formalen Regeln folgt. [...] Da dieser Reflexionsüberschuß, der auf eine zweite theoretische Bweußtseinshaltung des Menschen jenseits seiner bisherigen klassisch-ontologischen hindeutet, in die traditionelle Logik schlechthin nicht hineingehärt, richtet er dort nur logisches Unheil an. Er produziert Paradoxien und ruiniert die reinliche Disjunktion der positiv-negativen Alternativen." (239)

"In dem bereits zitierten Aufsatz "Mathematics And The Good" bemerkt Whitehead, daß wir aus diesem Grund nicht einmal ein adäquates logisches Verständnis des Konzeptes "Zahl" besitzen [...]." (239)

"Und die Arbeit, diese fundamentale Konzeption des rationalen Denkens auszulegen und in Details durchzuführen, war so absorbierend und thematisch suggestiv, daß es nie jemandem eingefallen ist, sich die weiter- und tiefergehende metaphysische Frage vorzulegen, ob die von den Griechen vorgezeichnete Idee des Denkens alles mägliche theoretische Denken überhaupt trifft oder ob sie nur einen engeren Spezialfall des Denkens umgreift." (242)

"Der tiefere Grund für diesen enormen Irrtum des spekulativen Idealismus ist, wie wir weiter oben ausführten, in dem Umstand zu suchen, daß weder Hegel noch Fichte und Schelling die Idee aufgegangen ist, daß die Differenz von Ich und Du im Denken selbst ein logisches Problem darstellt, welches die weitere Frage der kontrollierbaren, und wirklich kontrollierten, intellektuellen Kommunikation zwischen zwei Ichen involviert. Es gibt aber kein anderes Mittel, Denkvollzüge, die grundsätzlich subjektiv (also ganz "privat") sind, präzis mitteilbar zu machen, es sei denn durch einen rechnerisch beherrschbaren Formalismus." (243)

"Das ist deshalb der Fall, weil ihm in dieser einwertigen Erlebnissituiation überhaupt keine logischen Motive zur Verfügung stehen, sich positiv von dem ihm gegenüberstehenden Sein "dem anderen", abzusetzen. D.h., es kann sich thematisch überhaupt nicht als etwas Positives begreifen - soweit dieses Positive etwas dem Objekt (Sein) Entgegengesetztes sein soll. Die einzige Möglichkeit, die das Subjekt auf dieser einwertigen Stufe des Bewußtseins hat, ist sich als Sein, also pseudeo-thematisch als Objekt zu begreifen. Als Subjekt kann sich das Subjekt auf dieser Stufe überhaupt nicht verstehen. Es kann dies nicht, weil alle positiven Erlebniskategorien auf dieser Denkebene von der Aufgabe absorbiert sind, das Objekt qua Objekt zu verstehen. Das erlebende Subjekt befindet sich hier also in der paradoxen Situation, daß es sich selbst nur als Objekt, also als seinen eigenen "Widerspruch" erleben kann. Mit anderen Worten: das Ich oder das Subjekt ist auf der einwertigen Erlebnisstufe fehl-thematisiert." (247)

"Der Schein [Hegels Schein der Reflexion; N.O.] ist das Sein, und nichts anderes. Der Unterschied besteht nur darin, daß das Sein jetzt durch einen Abbildungsvorgang (Reflexion) hindurchgegangen ist. Es ist, wie Hegel sich ausdrückt, "übersetzt" worden. Aber die "Übersetzung" gibt das Original getreulich wieder.[...]
Reflexion ist Wiederholung. Unser theoretisches Bewußtsein besitzt also seine eigene logische Struktur in doppelter Weise, einmal naiv, unreflektiert und dann zusätzlich "übersetzt", reflektiert als "Schein" oder "Bild"." (248)

"Unsere Denkfähigkeit beruht also auf einem gegenläufigen Mechnismus: einem Aristotelischen System der Reflexion-in-anderes und einem inversen Mechanismus einer "spiegelverkehrten" Aristotelischen Logik, die wir bereits an anderer Stelle "kontra-Aristotelisch" genannt haben. Beide Mechanismen sind notwendig, um auf sich selbst reflektierendes Bewußtsein, also Denke, zu erzeugen. Die traditionelle Auffassung, in der wir alle aufgewachsen sind, weiß davon nichts." (249)

"Jetzt ist es der Sinn des Seins, der zum Objekt der neuen Reflexionsprozesse wird. Gegenständliches objektives Sein selbst und Sinn des Seins aber stehen sich wie Original und Abbild gegenüber. Dementsprechend besitzt das theoretische Ich zwei wohlunterschiedene Bewußtseinsstrukturen, die sich wie Gegenstand und Abbild des Gegenstandes unterscheiden. Beide sind sich in derselben rätselhaften Weise gleich, wie die rechte Hand der linken gleicht, und beide sind sich in derselben rätselhaften Weise verschieden, wie unsere Hände verschieden sind." (250)

"Der Widerspruch, der sich im aktuellen Denken unvermeidlich konstituiert besteht nicht in der Logik, sondern zwischen den beiden logischen Systemen, die unseren Reflexionsprozeß determinieren. In anderen Worten: Es existiert ein permanenter Widerspruch zwischen dem "Aristotelischen" und dem "kontra-Aristotelischen" Ablauf der Reflexion in unserem Bewußtsein." (250)

"Im "Aristotelischen" Systemzusammenhang vergißt das denkende Ich sich völlig und gibt sich ganz an den ihm ewig transzendenten Gegenstand hin. Auf "kontra-Aristotelischer" Basis geschieht genau das Gegenteil. Hier wird die Transzendenz und objektive Unabhängigkeit des Gegenstandes restlos vergessen, und alles erscheint als "immanent", als Bild im Bewußtsein und endgültig von der Reflexion umgriffen. Die inhaltliche Bestimmtheit beider Reflexionssituationen aber ist genau die gleiche. Auf keiner Seite tritt eine positive Bestimmung auf, der nicht auf der anderen Seite eine inverse Bestimmung entspräche. Thematisch sowohl wie strukturell sind beide Systemzusammenhänge einander genau äquivalent." (250)

"[...] daß man unterlassen hat, innerhalb der Logik logische Thematik von logischer Mechanik zu trennen." (252)

"Wir verfügen also über dieselbe Logik in zwei einander direkt wiedersprechenden Anwendungen. Einmal wird dieser zweiwertige Reflexionsmechanismus in der theoretischen Erfassung der gegenständlichen Welt aktiviert. Das andere Mal in der introszendenten Analyse des Ichs. (253)

"Es ist immer dieselbe Logik. Aber sie hat zwei grundverschiedene Anwendungsgebiete. In anderen Worten: Es ist möglich, die in dem zweiwertigen Denken implizierte ontologische Thematik des Seins sowohl transzendent wie introszendent auszulegen." (253)

"In der Reflexion-in-sich aber wird dieselbe Logik pseudo-thematisch angewandt. Das Denken widerspricht sich nämlich selbst, wenn es versucht, seine eigene Reflexionsprozesse als etwas objektiv vom Denken Unabhängiges zu thematisieren." (254)

"Im ersten Fall hat das Denken einfach Gegenstände, und dieselben sind objektive Identitäten für es. Im zweiten Fall weiß es, daß es Gegenstände hat und daß es mit sich selbst identisch nur im Gegensatz zu diesen Gegenständen ist. Seine Identität hängt also davon ab, daß der Gegenstand als das "andere" erlebt wird. Dieselbe wird in den Objekten reflektiert. Daher Reflexionsidentiät." (254)

"Denn Widerspruch ist kein Seinsmotiv, keine mägliche Eigenschaft eines Objekts. Wohl aber ist er eins der Motive, unter denen lebendige Subjektivität verstanden wird." (256)

"Wesentlich ist also: kontradiktorischer Ausschluß in den Motiven von "Entgegensetzung" und "Selbständigkeit". Das Moment der Selbständigkeit der Reflexionsbestimmungen aber suggeriert, daß eine kalkültheoretische Analyse der Großen Logik dieselbe in (mindestens) drei zweiwertige Subsysteme aufläsen muß. Denn es ist sinnlos, von Reflexionsbestimmungen behaupten zu wollen, daß sie selbständig sind, solange sie nicht verschiedenen Systemen angehören." (257)

"Diese heute uns noch sehr rätselhafte dritte logische Funktionweise des Bewußsteins [die Vermittlung; N.O.] [...] ist [...] wie Hegel bemerkt, eine zweite Reflexion-in-sich. Es ist die Reflexion-in-sich der Rreflexion-in-sich-und-aneders. Es handelt sich hier also um einen Prozeß, der den Gegensatz der ersten beiden Reflexionen reflektiert und dadurch "aufhebt"." (259)

"Und seit Fichte sprechen die spekulativen Logiker von "zwei Formen" des Bewußtseins. Sie sind aber an der Herausarbeitung dieser Formen nicht interessiert. [...] Ihre ausdrückliche Formulierung würde eine überflüssige Iteration der unmittelbaren Reflexion-in-sich mit sich gebracht haben, und damit hätte sich das Denken in einem unendlichen Wiederholungsprozeß ein und desselben Reflexionsmotives gefangen. [...]
Heute ist jedem Logiker geläufig, daß Formalismus und Zweiwertigekeit keineswegs identisch sind und daß die Trennung von Form und Inhalt des Gedankens nirgends von einer dichotomischen Anordnung aller Bewußtseinsmotive abhängig ist." (260)

"Aber über sie hinaus [die Einteilung in partielle und totale Negation; N.O.] hätte Hegel einen zweiten Negationsprozeß mit einer Negation von häherer Ordnung anerkennen müssen. Diese neue Negation von Positivität und Negation hätte nun ihr eigenes logisches Formsystem gefordert. Wir würden also statt einer formalen Logik zwei solche Fomalismen im Hegelschen System zu erwarten haben. Jeder solcher Formalismus aber bringt seine eigene Thematik mit sich. Folglich hätte Hegel neben dem klassischen Thema "sein" noch ein zweites, ebenbürtiges Thema der doppelten Reflxion-in-sich produzieren müssen." (265)

"Dazu benötigt man aber eine zweite Negation höherer Ordnung, die diesen ganzen "Aristotelisch-kontra-Aritotelischen" Gegensatz selbst verneint." (266)

"[...] eine künftige doppel-thematische Logik, die neben "sein" noch das zweite Thema "Sinn" (Reflexion-in-sich) entwickelt [...]" (267)

"Was Hegel entdeckt hat, und was von nun an unverlierbares Eigentum der logischen Forschung sein sollte, ist die Tatsache, das alles seins-thematische Denken eine endliche Reflexionsgrenze hat. Diese Grenze ist seine Zweiwertigkeit [...]." (269)

"Unter solchen Umständen kann dieser Reflexionsüberschuß, der auf das Thema "Sein" in keiner Weise abzubilden ist, unser Denken in der folgenden Weise beeinflussen: er befähigt uns festzustellen, daß die Ursprünge unseres Denkens jenseits des Denkens selbst liegen." (269)

"Nachdem sie [die Reflexion, N.O.] ihre eigenen Gesteze festgestellt und im Tertium non datur ihre eigene zweiwertige Grenze festgestellt hat, entdeckt sie, daß ein Reflexionsrest zurückbleibt: nämlich jene reflexive Tätigkeit selbst, die erst die "äußerliche" Reflexion-in-anderes und dann die erste Reflexion-in-sich in Bewegung setzt. Da aber alles theoretische Denken des logischen Subjektes sich in diesen beiden Reflexionsformen abspielt, kann jener Reflexionsüberschuß keinem irgendwie gearteten ichhaften Denken eines individuellen Subjekts mehr angehären." (269)

"Das ausgeschlossene "Dritte" ist nämlich, wie in der spekulativen Logik zum ersten Mal klar erkannt wird, zweideutig und entzieht sich in dieser Mehrdeutigkeit dem exakten zweiwertigen Denken." (270)

"[...] ist jenes Absolute, das sich im Prozeß der Vermittlung konstituiert, sowohl subjektiv als auch objektiv oder ist sein "Sein" vielmehr weder subjektiv noch objektiv? D.h., unsere Frage spitzt sich auf die problematische Alternative zu: sollen wir die metaphysische Identität von Sein und Denken als eine konjunktive Einheit begreifen oder ist sie vielmehr nur als disjunktive Einheit eines "joint denial" zu verstehen?" (271)

"Er [Hegel; N.O.] stellt fest, daß das Sein als Absolutes wesentlich "Resultat" ist. [...] Es ist das "Resultat" der absoluten Vermittlung. Aber diese ist nicht mehr unser Denken. Und überdies hat die absolute Vermittlung kein "Thema" mehr, weil der logische Begriff des Themas den Gegensatz von Denken und Denkgegenstand voraussetzt. Die Vermittlung ist [...] a-thematisch. Unter a-thematischer Reflexion aber können wir nur einen ontologischen, also metaphysischen Prozeß verstehen." (272)

"Dieser Anfang des Denkens kommt eben dadurch zustande, daß wir die Dinge denken müssen, eben weil wir sie nicht haben, weil sie uns als anderes im Dasein gegenüber stehen." (274)

"Aber wie ist Bewußtsein zustande gekommen und worauf beruht dieses einzigartige Phänomen, das sich von allen Dingen und allen überhaupt möglichen objektiven Ereignissen prinzipiell unterscheidet? Die Frage nach dem Grunde, der allem Denken sein Existenzmotiv liefert, ist in ihren letzten Konsequenzen eine Frage nach dem existentiellen Wesen des Bewußtseins. Eine Theorie des Denkens ist letzten Endes immer eine Theorie der Strukturformen, in denen sich Bewußtsein und Selbstbewußtsein konstituiert." (275)

"Dabei wird aber völlig außer acht gelassen, daß diese Identität mit dem logische Subjekt ja zweideutig ist. Das logische Subjekt kann nämlich entweder (ortho-subjektiv) das Ich (subjektive Subjektivität) oder aber (para-subjektiv) das Du (objektive Subjektivität) sein." (276)

"Das Du ist auch nicht ein ichhaftes Objekt. Denn dadurch, daß ich mich selbst in der Reflexion zu meinem eigenen Objekt mache, werde ich noch nicht zu Du. Das Du ist also weder bloßes Objekt, noch ist es weiter nichts als das zum Gegenstand der Reflexion gemachte Ich." (277)

"Wir sehen also, daß jenes Dritte, das aus allem zweiwertigen theoretischen Denken ausgeschlossen ist, eine dreifach Wurzel hat und deshalb der Reflexion einen dreifachen Grund liefert." (277)

"Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten reflektiert sich derart in dem Prinzip vom transzendentalen Grunde, daß ein dritter Grund ausgeschlossen ist." (279 f.)

"Dies ist der Unterschied von Seins- und Reflexionsidentität. Seinsidentität wird durch ein System repräsentiert. Reflexion aber durch zwei inverse Systeme. Reflexionsidentität ist der erfahrene Widerspruch zwischen der "Aristotelischen" und der "kontra-Aristotelischen" Richtung des Bewußtseins.
Es ist die "Schwäche" unseres Bewußtseins, daß es immer nur in einem dieser beiden Systeme sich verwirklichen kann und nicht in beiden zugleich, ohne sich selbst zu widersprechen und, qua Bewußtsein, aufzulösen." (285)

""Deshalb wird Wahrheit mit "Objektivität" und niemals mit Subjektivität identifiziert. "Subjektivität" bedeutet bis Kant, und teils über ihn hinaus, Willkür, Unberechenbarkeit und das genaue Gegenteil von - nur sachlich zu erfassender - Wahrheit.
Sind aber erst einmal in der Reflexion des Denkens auf sich selbst diese Eigenschaften der ursprünglichen theoretischen Bewußtseinshaltung, in der das erlebende Ich selbstvergessen den Dingen gegenübersteht und ihre Eigenschaften unbeteiligt abbildet, begriffen und in das Bewußtsein gehoben, dann beginnen alle bisherigen fundamentalen ontologischen Begriffe in einem zweideutigen Licht zu schillern." (289)

"Die Unterscheidung zwischen Eingeschlossenem und Ausgeschlossenem, also zwischen dem, was aktuelle Reflexion ist, und dem, was Denken sein kännte, fällt mit der Unterscheidung von Reflexionstätigkeit und reflektierendem Subjekt derselben zusammen. Das reflektierende Subjekt verbirgt sich indem jeweils Ausgeschlossenen. Es ist das Dritte gegenüber der Dualität von Denken und objektivem Denkgegenstand. Jenes logische Subjekt kann, qua logisches Subjekt, thematisch nicht erfaßt werden, weil es aus der jeweiligen thematischen Orientation als ihr Grund prinzipiell heraustritt.
Da aber andererseits das denkende Ich weder mit der "Aristotelischen" noch mit der "konta-Aristotelischen" Erlebnisstruktur der Reflexion identifiziert werden kann, weil die beiden in einem Umtauschverhältnis miteinander stehen, so steht auch das logische Subjekt in einem solchen Umtauschverhältnis mit sich selbst. In der ortho-thematischen Reflexion ist es "subjektiv", aber wir denken es "objektiv". In der pseudo-thematischen Einstellung des Begriffs ist es "objektiv" (es ist jetzt unser Denkgegenstand), aber wir denken es "subjektiv", nämlich als Reflexionsidentiät." (293)

"In der totalen Diskjunktion von Subjekt und Objekt ist immer ein Drittes ausgeschlossen. Aber dieses Dritte ist nicht endgültig identifizierbar. Es ist weder endgültige einfache Identität noch definitive Reflexionsidentität." (293)

"Also ist das aus der Reflexionssituation ausgeschlossene ewig zweideutige Dritte nicht nur die sich ausschließende Reflexion selbst, es ist überhaupt dies das Sein als absoluter und bestimmter Grund." (294)

"Wir haben hier nach idealistischer Auffassung die Grenze alles überhaupt möglichen Reflektierens erreicht, das auf dem Gegensatz von Ich und Etwas, von Subjekt und Objekt, von Form und Inhalt beruht. D.h., wir haben das Denken des Denkens überhaupt vollzogen." (294)

"Das "Dritte" ist eben deshalb vom Denken ausgeschlossen, weil es eindeutige weder als Reflexion noch als Gegenstand derselben bestimmt werden kann. Als solches ist es Bedingung oder der Grund des Denkens." (295)

"Das Dritte, das im Tertium non datur aus dem logischen Formalismus verbannt wird, ist der "Grund" des Denkens. Aber dieser Grund enthüllt sich nun seinerseits als zweideutig. Er ist einerseits vorausliegendes Sein, und als solcher motiviert er das Denken. Anderseits aber ist er "Schein" oder Reflexion selbst, d.h. ichhafter Ursprung des Begreifens, und als solcher setzt er die Reflexion in Bewegung." (296)

Kapitel V

"Der Formbegriff der zweiwertigen Logik ist radikal verschieden von dem der mehrwertigen Systeme." (303)

"Genau dieser Fall liegt in der mit Kant beginnenden neuen Problematik des philosophischen Denkens vor. Schon Kant sieht ein, daß die transzendentale Reflexion sich nicht mehr in den Strukturzusammenhang der vorgeschriebene klassischen Denkformen fügen will. Daraus aber, wie seine Nachfolger es tun, zu schließen, daß die Philosophie sich damit endgültig von den Banden eines nachprüfbaren und berechenbaren Formalismus frei gemacht habe, heißt, das Denken einem hoffnungslosen Anarchismus und Nihilismus zu überantworten." (304)

"Die erste dieser Reflexionshaltungen ist das naive sich den Objekten hingebende und sich dieser Hingabe als Sonderexistenz völlig auslöschende Bewußtsein. Die Reflexion ist auf dieser Stufe ganz und gar ausschließlich Sein, weil sie sich restlos mit dem letzteren identifiziert und von sich selbst als Reflexion nichts weiß. Dieser distanzierende Reflexionsprozeß selbst ist in dieser Situation im Denken-überhaupt nicht vorhanden. Er ist thematisch: Nichts." (307)

"Rückblickend vom Standpunkt ds in der Theorie der mehrwertigen Logik geschulten Denkens kann festgestellt werden, daß bereits an dieser Stelle der transzendentale Idelaismus einerechnersch nachweisbaren Fehler begeht. Was Hegel meint, wenn er feststellt, daß der Begriff Sein dialektisch das Nichts ist, kann etwa so interpretiert werden: Alle überhaupt möglichen Kategorien eines denkenden Bewußtseins sind logisch-metaphysisch betrachtet Seinskategoerien (auch die sogenannten "Reflexionskategorien" Kants). Wenn also ein Bewußtsein Sein-überhaupt konzipiert, also den Begriff, der alle anderen Seinskategorien in sich faßt, und dann denselben als objektive Existenz aus sich heraussetzt oder "vorstellt", dann bleibt in der Reflexion selbst schlechterdings nichts übrig, vermittels dessen dieselbe sich auf sich selbst zurückwenden könnte. Oder, anders gesagt, der Sinn des Seins als subjektiver Gegensatz zum objektiven Sein selbst ist "Nichts"." (307)

"Hätte Hegel vorausgesetzt, daß das theoretische Bewußtsein echter "Reflexionskategorien" fähig sei, also solcher, die sich nicht auf das Sein abbilden lassen, dann hätte er zu dem Schluß kommen müssen, die Synthese" von Sein und Nichts ist kein Realprozeß, sondern eine neue Reflexionssituation, in der sich das Bewußtsein weder mit Sein noch mit Nichts - und nicht einmal mit dem Gegensatz beider -, sondern mit der Verneinung der ganzen Thematik, die sich in diesem Gegensatzpaar aufbaut, identifiziert.[...]
weil die Reflexion außer dem Thema "Sein" noch ein zweites autonomes Thema "Sinn" besitzt und daß in diesem neuen Thema jetzt "Sinn des Seins" nur eine partiellen Ausschnitt der zweiten Reflexionsthematik liefert, da Sinn überhaupt sowohl Sinn des Seins als auch Sinn des Sinns ist. Also anstatt zur Realität muß die "Synthese" von Sein und Nichts noch tiefer in ein vom Sein Abstand nehmende Reflexion hineinführen anstatt aus ihr heraus. Denn das "Nichts" oder die Reflexion sind von höherer logischer Mächtigkeit als das Seins oder das Positive. Weshalb schon in dem klassischen Kalkül der Aussagenlogik der negative Wert den positiven impliziert, aber nicht umgekehrt.
Technisch betrachtet besteht also der Fehler der spekulativen Dialektik darin, daß sie das Implikationsverhältnis, das zwischen den Sinnmotiven "Sein" und "Nichts" besteht, mit einem Äquivalenzverhältnis verwechselt." (308)

"Wir erhalten also eine doppelte Reflexion-in-sich. In der klassischen Logik wird der Sinn "Sein" einfach reflektiert. Jetzt aber wird - so stellt sich für Hegel das Problem dar - auf den Gegensatz von Sein-an-sich (Reflexion-in-anderes) und von Sinn des Seins (Reflexion-in-sich) reflektiert. Wir erhalten also mit dem nächsten Schritt eine Reflexion-in-sich der Reflexion-in-sich-und-anderes. Was eine individuelle Reflexion ist, hängt deshalb von ihrem "Stellenwert" im System der Totalreflexion ab.
Diese letzte den "Stellenwert" feststellende Reflexion bedeutet: es wird a) noch einmal auf "das andere" reflektiert (das seinerseits schon in der einfachen Reflexion-in-sich reflektiert war) und b), es wird auf die einfache Reflexion-in-sich reflektiert (die das andere - reflektiert - in sich enthält). Das System der einfachen Reflexion-in-sich ist aber nach Hegel die klassische Identitätslogik.
Das neue logische Problem, von dem sich Hegel konfrontiert sieht, läßt sich also in der folgenden Frage formulieren: Mit welcher neuen Logik kann man die klassische zweiwertige Logik von Identität, verbotenem Widerspruch, ausgeschlossenem Dritten und zureichendem transzendentalen Grunde denken?" (311)

"Beide Logiken schließen sich operativ gegenseitig aus [...]." (312)

"Die dritte Reflexion, also die doppelte Reflexion-in-sich, wird in der spekulativen Logik des Absoluten nur als Konjunktion von 1) und 2) interpretiert. Nicht aber als Disjunktion. Damit aber wird eine logische Motivgruppe ausgeschlossen, die unter dem Titel: 3a) Reflexion-in-sich von 1) oder 2) erscheinen würde." (313)

"Der deutsche Idealismus stellt einen letzten verzweifelten Versuch dar, metaphysische Motive nicht-Aristotelischen Ursprungs mit den Mitteln der klassischen zweiwertigen Tradition des Denkens darzustellen und zum System auszubilden. Dieser Versuch mußte mißglücken, da in ihm die mehrwertigen Urmotive unseres Denkens durch die Projektion auf die Platonisch-Aristotelische Ebene der Zweiwertigkeit notwendig verfälscht wurden." (314)

"Unsere bisherige Betrachtung indessen war ausschließlich philosophisch. Dieser Reflexionsüberschuß ist aber überdies ein technisches Problem der Logik." (316)

"Nirgends wird in den Analyse darauf Rücksicht genommen, daß der konjunktiven Interpretation in jeder überhaupt mäglichen Logik die disjunktive ebenbürtig gegenübersteht. Vom Standpunkt des formalen Logikers her gesehen ist es reine Willkür, wenn die eine Deutung der anderen vorgezogen wird. [...] D.h., neben die Reflexion 3) hat in einer totalen Logik des Reflexionsprozesses auch die Gestalt von 3a) zu treten." (316)

"Hegel hat also sein guten, seine sehr guten Gründe gehabt, wie wir in Abschnitt I dieses Kapitels zeigten, wenn er die totale Reflexion ausschließlich als Konjunktion von Reflexivität und Irreflexivität interpretiert. Aber damit wird zum ersten Mal auch der technische circulus vitiosus, der der absoluten, spekulativen Logik zugrunde liegt, deutlich sichtbar. Die Annahme, daß in der dritten Reflexion der Realitätsprozeß selber dargestellt wird, ist eine krasse petitio prinzipii. Erst wird nämlich die Einheit von Subjekt und Objekt a priori in den Bgeriff der totalen Reflexion hineindefiniert, indem von vornheireein angenommen wird, daß dies Reflexion die Motive des "in-sich" und "anderes" nur konjunktiv - also identisch miteinander enthält, und dann wird durch eine nachträgliche "Analyse" herausgefunden, daß es unmäglich ist, in der dritten Reflexion die subjektiven und objektiven Momente voneinander zu unterscheiden." (317)

"Hierbei aber entsteht ein Reflexionsgefälle, das dadurch angezeigt ist, daß die konjunktive Darstellung der totalen Reflexion keine Negationszeichen enthält, die disjunktive Version aber nicht ohne Negationszeichen produziert werden kann. Das bedeutet aber, daß die beiden Formulierungen nicht auf dem gleichen Reflexionsniveau zu finden sind. Die totale Reflexion muß sich durch einen weiteren Negationsprozeß iterieren, wenn sie sich auf dem Wege über die Disjunktion als Einheit von Denken und Sein darstellen will. Diese Negation ist zwar "leer". Sie "setzt" nichts Neues, wie es in der Sprache der großen Logik heißt, aber sie deutet trotzdem klar an, daß zwischen Konjunktion und Disjunktion ein Reflexionsgefälle existiert. Die Konjunktion ist die "objektive" Kategorie. Die Disjunktion ist "subjektiver"." (318)

"Eine solche zweite Version der Großen Logik könnte geschrieben werden, indem man einfach der ersten Satz der Hegelschen Logik ­Das Sein ist das Nichts' umdreht und an seine Stelle den formal-äquivalenten Satz ­Das Nicht ist das Sein' setzt. Nachdem man das getan hat, führt man den gesamten dialektischen Prozeß noch einmal durch. Diesmal wird sich das Resultat ergeben: die doppelte Reflexion ist die Reflexion entweder der einfachen Reflexion-in-sich oder der unmittelbaren Reflexion-in-anderes. In der Hegelschen These ­Das Sein ist das Nichts', ein Satz, in dem "Sein" Subjekt und "Nichts" Prädikat sein soll, ist nämlich die metaphysische Voraussetzung verborgen, daß vom Sein zum Nichts ein Reflexionsgefälle existiert. Das Sein ist objektiv, das Nichts ist "nur" subjektiv. Drehen wir nun den Satz um, so implizieren wir damit in der Hegelschen Terminologie, daß das Reflexionsgefälle vom Nichts zum Sein läuft." (319)

"Der Gedanke, daß die Reflexion bzw. das Denken metaphysisch schwächer als das Sein ist, ist nur eine andere Version des Satzes, daß bei der Abbildung des Denkens auf das Sein kein Reflexionsüberschuß --der nicht in reine Seinsthematik abgeläst werden kann - zurückbleibt." (319)

"Denn der Sinn des klassischen Theorems ist, daß Reflexion als Reflexion im Absoluten nicht mehr gedacht werden kann. Sie kann nur noch als Sein gedacht werden. D.h., das "Nichts" der Reflexion - ihre Negativität, wie sich Hegel ausdrückt - hat keine selbständige, vom Sein unabhängige Bedeutung. [...] Es ist Nicht-Sein und als solches vom Sein metaphysisch abhängig. In anderen Worten: Die Reflexion ist nichts anderes als sich selbst fremd gewordenes Sein." (320)

"Als Nichts kann die Negation nicht "material" auftreten. Verdoppelt man also die Negation an Stelle der Positivität --was nur als abstraktes Gedankenexperiment im zweiwertigen Denken möglich ist -, so schreitet man damit nicht über die formale Logik hinaus und gelangt keineswegs in den Bereich einer "negativen Transzendenz". Das Nichts existiert nicht als Gegenstand. Man fügt statt dessen dem ersten formalen Motiv der Negativität ein zweites an. D.h., man entwickelt eine Logik mit einem positven und zwei negativen Werten, also ein dreiwertiges System des Denkens." (321)

"Das hat dazu geführt, daß man die Negation im klassischen Denken als eine irreflexiven Wert behandelt hat. Ein irreflexiver Wert ist ein solcher, der nicht weiterreflektiert werden kann. Der ursprüngliche irreflexive Wert ist der positive. [...] Da dieser Sachverhalt vom Denken unabhängig ist, also durch dasselbe nicht verändert werden kann, kann auch der ihm korrespondierende Wert nicht "geändert", also weiterreflektiert werden." (321)

"Es gehört nun zu der abendländischen Tradition des Denkens, den reflexiven Charakter der Negation nur für vorläufig zu erklären. Er ist eine empirische, temporale Eigenschaft der Negativität, und im Absoluten verschwindet er endgültig, da dort ja Positvität und Negativität zusammenfallen." (322)

"Das ursprüngliche Reflexionsgefälle - gleichgültig, wie man es interpretiert - besteht in dem neuen Gegensatz von Reflexion 3) und 3a) weiter. Es ließe sich erst in einer hypothetischen vierten Reflexion aufheben, die selber jenseits der absoluten Einheit von Subjekt und Objekt liegt." (323)

"Damit ist gezeigt, daß das Ich-Du-Verhältnis alle Bedingungen der klassisch-trinitarischen Fundamentalaxiomatik erfüllt. Ich und Du sind jedes für sich Identitäten. Als Reflexionsgestalten stellen sie einen gegenseitigen Widerspruch dar. Und beide zusammen schließen ein Drittes, das rein gegenständlich Es, aus ihrem Umtauschverhältnis aus." (324)

"Eine Logik, wenn sie diese Namen verdient, muß Operatoren und Operationsregeln besitzen. Es ist aber vällig unmäglich, irgendwelche von uns manipulierbare Operatoren für die transzendentale Logik anzugeben. Sie hat deshalb auch keine Operationsregeln, vermittels derer sie als Instrument der Erkenntnis gehandhabt werden kännte. Der Begriff des Operators verlangt nämlich eine präzise und eindeutige Unterscheidung zwischen dem Instrument der Operation und dem Gegenstand, an dem dieselbe vollzogen wird; also zwischen Form und Inhalt." (326)

"Eine genaue Analyse dieses Begriffes [der doppelten Reflexion-in-sich; N.O] muß nämlich ergeben, daß alle bisherige logische Tradition in einem tiefen Irrtum befangen ist, insofern sie annimt, daß der Unterschied von Ich und Du formallogisch auch in Reflexionsstrukturen irrelevant ist." (327)

"Wir waren außerdem in der Lage, zu demonstrieren, daß diese totale Reflexion nicht in einem Bilde dargestellt werden kann. Sie spaltete sich für uns auf in die Reflexion 3) und 3a), d.h. in ein konjunktive und eine disjunktive Interpretation des Verhältnisses der Reflexion 1) und 2) in der übergreifenden Reflexion-in-sich. In diesem Zusammenhang haben wir bereits angedeutet, daß für die konjunktiv-disjunjktive Differenz von 3) und 3a) nur eine einzige Interpretationsmäglichkeit existiert, nämlich die, daß durch dieselbe der Unterschied zwischen der Darstellung des theoretischen Bewußtseins als Ich oder als Du angezeigt wird." (327)

"Die Unterscheidung von denkendem und gedachtem Subjekt aber ist allemal die von Ich und Du. Das Ichist immer das denkende Subjekt, und das Du ist unvermeidlich das gedachte Subjekt. Man kann auch sagen, das Du ist das Ich, das para-subjektiv als Objekt erfahren wird." (328)

"Das theoretische Ich kann nur dadurch in die Logik integriert werden, daß man feststellt: der Unterschied zwischen Ich und Du ist logisch irrelevant. Im Subjekt selbst wiederholt sich der Unterschied von Denken und Existenz. Das existierend gedachte Subjekt kann nur als Du interpretiert werden. Denn Existenz-haben und Objekt-sein sind logisch äquivalente Begriffe. Das Du ist allemal in der Welt. Es steht in ihrem Existenzzusammenhang. Umgekehrt kann das denkende Subjekt immer nur als Ich interpretiert werden. Seine Existenz ist unerreichbar, weil es sich von der Reflexion in immer tiefere Schichten der Innerlichkeit zurückzieht. Soweit die Reflexion ihm auch folgt, es bleibt stets Denken und enthüllt sich nimmer als Sein." (328 f.)

"Umgekehrt: soweit die Reflexion auch das Du analysiert, es bleibt stets ein objekties Sein und decouvriert sich niemlas als subjektives Ich. Du und Ich stellen ein reines Umtauschverhältnis dar. Sie kännen nicht ineinander übergehen und sich miteinander vermischen. Es besteht zwischen ihnen die ewige Fremdheit, die das Objekt vom Subjekt scheidet. Logisch gesprochen: zwischen Ich und Du existiert ein Reflexionsgefälle, das immer vom jeweiligen Ich zum Du geht." (329)

"In der Physik ist längst eingesehen worden, daß das absolut für sich seiende, objektive Objekt eine bloße Fiktion ist. Die Grenzen zwischen den mathematischen Formeln und dem Gegenstand, den sie beschreiben, verschwimmen mehr und mehr. Es ist nicht mehr zu unterscheiden, welche Eigenschaften des Gegenstandes bloß "gedacht" sind und welche er "an sich" hat. Damit geht aber der Transzendentalcharakter des Gegenstandes unweigerlich verloren. Das Objekt wird in die Logik hineingezogen." (329)

"Der Eintritt des Subjekts in die Logik ist aber nicht so einfach zu bewerkstelligen wie der des Objekts. Wir stellen fest, daß das Objekt-an-sich einfache Identität mit sich selber ist. D.h., nehmen wir es in die Logik hinein, so brauchen wir deshalb noch lange nicht zwischen einem denkenden und einem gedachten Objekt zu unterscheiden. Eine der Differenz zwischen Ortho-Subjekttivität und Para-Subjektivität entsprechende Trennung von Ortho-Objektivität und Para-Objektivität in der Idee des Objekts ist ein Verstoß gegen das Prinzip der irreflexiven (Seins) Identität. Bloße Objekte sind immer gedacht. Das liegt in ihrem analytischen Begriff begründet. Ein Objekt kann gar nicht als denkend gedacht werden, ohne daß es dadurch zu einem Subjekt würde. Damit ist aber gesagt, daß der Eintritt des Objekts-an-sich in die Logik in der letzteren kein neues Reflexionsgefälle produziert. In der Logik ändert sich damit nichts. Nur ihre bisherige ontologisch-transzendentale Interpretation in der Erkenntnistheorie fällt weg. Also lediglich der semantische Akzent des logischen Systems wechselt." (330)

"Anders ausgedrückt: wird die ontologische Trennung zwischen dem Denken auf der einen Seite und der "Sache" auf der anderen Seite aufgehoben, dann kehrt dieselbe Trennung im Denken wieder. D.h., das Denken unterscheidet jetzt zwei Gegenstände von verschiedener logischer Relevanz: Erstens den Gegenstand als Ding und zweitens den Gegenstand als Reflexion. Drittens aber ist von diesen beiden Gegenständen wieder die lebendige Reflexion unterschieden, d.h. der aktive Denkprozeß, der die beiden eben beschriebenen Gegenstände "hat"." (335)

"Die Reflexion differenziert sich also selbst in reflektierende und reflektierte Reflexivität." (336)

"Für das neue logische Thema einer trans-klassischen Logik haben wir also das Motiv der Fremdheit festzuhalten, aber die Interpretation des Denkobjektes als Irreflexivität aufzugeben. Das Objekt ist jetzt selber Reflexion. Aber es ist fremde Reflexion. Es gibt jedoch nur eine Reflexion, die selber Reflexionsprozeß ist und zugleich dem "eigenen" Denken fremd ist, das ist das Denken im Du relativ zum Denken im Ich." (337)

"D.h., die reflektierende Aktion des Denkens muß jetzt in das Objekt hineinprojiziert werden. Da aber andererseits auch hier das Motiv der Fremdheit zwischen Denken und Gedachtem aufrechterhalten werden muß, ist die Subjektivität, die in die gedachte Reflexion introjiziert wird, eine andere als die, welche das aktive Denken vollzieht. [...] D.h., sobald das Denken von seinem "ersten" Thema ­Sein' abgeht und es sich zur Aufgabe macht, das Thema ­Sinn', also Reflexion, in einem "zweiten" Thema zu denken, wird der Unterschied von Ich und Du für die Logik relevant." (377)

"Durch die Einführung des Modalprinzips sollen also zwei formale Grundstrukturen des Denkens unterscheiden werden: erstens jene logischen Begriffe, die jedem Objekt, qua Objekt, überhaupt zukommen müssen, weil sonst die Idee "Objekt" gar nicht konzipiert werden kännet; und zweitens die, bei denen das Denken eine zweiwertige Wahl hat. Sie können dem Objekt zukommen, oder auch nicht. Sie sind bloß möglich. Solche Kategorien würden auf das Du passen. Es ist möglich das Du als bloßes Objekt zu denken, aber nicht notwendig." (340)

Kapitel VI

"Ist es möglich, einen Logikkalkül zu konstruieren, der eine solche doppelte Reflexionsstruktur des menschlichen Bewußtseins adäquat beschreibt?" (347)

"Wo aber ist die Logik, in der dieses Ausschlußverhältnis selbst zum Thema einer Reflexion wird? Denn nur in einem solchen Thema können die klassischen Gegensätze miteinander vermittelt sein. Innerhalb der zweiwertigen Logik selbst ist das ganz unmöglich. Denn das Leitmotiv dieser Logik ist absolute Dichotomie." (348)

"Da sich aber, wie erinnerlich, Subjektivität und Objektivität wie Positivität und Negation zueinander verhalten, so muß notwendig die Thematisierung der Reflexion als Gegenstand des Denkens eine Negation derselben involvieren. Denn damit, daß sie zum Gegenstande wird, ist sie ja eben nicht mehr Denken, sondern Gedachtes. Die paradoxe Aufgabe, um die es sich hier handelt, ist also die, das Denken selber als Nichtdenken (also als seine Prozeßcharakters beraubten Gedanken) logisch zu thematisieren." (349)

"D.h., die Identität eines Reflexionsbegriffes ändert sich dadurch, daß derselbe gedacht wird. Jeder Reflexionsbegriff kann zwei logische "Zustände" haben. Er ist entweder subjektives, aktives Denken selbst, oder er ist objektives, passives Gedachtwerden. Reflexionskategorien haben deshalb keine permanente Seinsidentität. Sie besitzen nur die schwächere, zweideutige Reflexionsidentität." (350)

"Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Stellung des Gedankens zur Objektivität ist also der, daß im ersten Fall das Objekt als ein vom Denken unabhängiges bereits vorgefunden und als solches erkannt wird, daß aber in dem anderen Fall das Objekt vom Denken erst erzeugt werden muß und in diesem Produktions- und Absetzungsvorgang vom aktiven Reflexionsprozeß abhängig ist und bleibt." (351)

"Nicht was da ist, ist das Ziel des Denkens, sondern das was aus das Dasein projiziert (reflektiert) werden kann, also der Sinn oder die Bedeutung, die sich im Erleben von Objektivität überhaupt konstituiert." (352)

"Identität ist Stauung und ein Zurückgeworfenwerden, das der lebendige Strom des Denkens erfährt." (352 f.)

"Aber diese irreflexive Objektivität des Seins ist für das zweite, das meontische Fundamentalthema der Logik nur das jetzt a-thematisch gewordene Medium, in dem sich die Reflexion selber spiegelt. Das neue Thema befaßt sich also mit jenem Spiegelungsprozeß oder mit dem, was zu dem reflektierenden Subjekt zurückkommt, nachdem es vom Sein abgewiesen worden ist. Kurz gesagt: das zweite Thema befaßt sich mit dem Reflexionsüberschuß des theoretischen, sich auf Objekte richtenden Bewußtseins. Jenem Reflexionsüberschuß, der von dem Thema ­Sein' nicht absorbiert werden kann. [...] Die Objektivität als solche wird damit also völlig athematisch." (353)

"Der Sinn "Disjunktion" ist eine Reflexion, und wenn sie gedacht wird, d.h. statt als subjektives Erlebnis als objektiver Sachverhalt interpretiert wird, so soll sie dadurch ihre Sinn verändern. [...] Im objektiven Denkakt wird also der subjektive Erlebnissinn von "Disjunktion" negiert." (354)

"Das ich-hafte Erleben muß sich also zu seiner Selbstinterpretation fremde Kategorien borgen. [...] Das logische Vehikel jener "absoluten" Vermittlung ist die Veränderung des Wahren durch die Reflexion-in-sich." (359)

"Aber das selbstbewußte Denken ist, wie wir nun zur Genügewissen, daß die Reflexion-in-sich "doppelt", d.h. selbst-referierend ist. Folglich muß uach die Vermittlung diesen Charakter der Selbst-Referenz haben, also "doppelt" sein." (360)

"Es ist offensichtlich, daß in solchen Formeln eine "Aristotelische" und eine inverse "kontra-Aristotelische" Interpretation des Kalküls nicht auseinanderzuhalten ist. Es wird immer eine Interpretation eine thematische Rolle spielen und die zweite a-thematisch und unidentifizierbar in ihr enthalten sein. D.h., es existiert ein Reflexionsüberschuß, der in der Struktur der Formel nicht zur Abbildung kommen kann und, was wichtiger ist, auch nicht zur Abbildung kommen soll." (367)

"Die fraglichen Gesetze "sind" weder das eine noch das andere, aber sie können sowohl als Sein, d.h. irreflexiv, wie auch reflexiv, d.h. als Denken interpretiert werden.
Die Zweiwertigkeit des Kalküls als eines Ganzen schließt aber aus, daß beide Interpretationen gleichzeitig vollzogen werden können." (368)

"Ein jeder Kalkül besitzt genau so viele fundamentale "metaphysische" Deutungen, wie er Werte besitzt. Wir sind also im zweiwertigen Kalkül auf das Wechselverhältnis zweier einander diametral widersprechender Deutungen beschränkt." (368)

"Dieses Denken wurde des öfteren von uns als "naiv" bezeichnet, denn es besitzt nicht die geringste Ahnung davon, daß die unmittelbare Identifikation des Denkens mit seinem Gegenstande im höchsten Grade problematisch ist und daß in der Tat alle antiken und modernen Paradoxien der Logik und Transzendierungen des Widerspruchprinzips auf diese unkritische Gleichsetzung des "reellen" Objekts mit dem gedachten Objekt zurückzuführen sind." (379)

"Aber in der Aufgabe, Subjektivität als Subjektivität zu denken, trennt sich das Denken von seinem Gegenstande. Aus dem direkten (irreflexiven) Identitätsverhältnis wird ein indirektes, vermitteltes, also eine Reflexion-in-sich. D.h., das gedachte Subjekt verwandelt sich zwangsläufig, wie wir bereits ausführten, in ein Objekt. Damit aber wird dieser zweite Gegenstand der Logik dadurch, daß er gedacht wird, in seiner Wertstruktur verändert." (372)

"Ein solches Experiment aber beruht auf einer mißverständlichen Deutung des Konzepts "Falschheit" in einem Logikkalkül. Falschheit im System der Wahrheitsfunktionen ist keine "materiale" Falschheit, also kein Widerspruch in sich selbst. Sie ist rein formal und bedeutet nichts anderes, als daß für eine gegebene Wertkonstellation der Komponenten "p", "q", "r" ... der in Frage stehende logische Prozeß nicht zuständig ist." (373)

"Der Reflexionsprozeß existiert ja "auch"." (377)

"Das subjektive, sich auch sich selbst beziehende Wesen ist also zweierlei: Es ist erstens Aufhebung der Beziehung zur Unmittelbarkeit und zweitens Vermittlung der Unmittelbarkeit durch Negation." (379)

"Was aber ist die doppelte Reflexion-in-sich? Die Hegelschen Schriften geben darauf eine ziemlich klare Antwort. Dieses letzte Reflexion ist eine Negation der Negation. D.h., sie ist Selbstbewußtsein, also ein Bewußtsein, das auf den Gegensatz (Negation) von Sein und einfachem Bewußtsein reflektiert. Jede Reflexion ist aber eine Negation, wie die spekulativen Texte unermüdlich betonen. Die doppelte Reflexion-in-sich ist also wieder eine Negation. Aber diesmal eine Negation des gegenseitigen Negationsverhältnisses von unmittelbarem Sein und einfachem Bewußtsein." (382)

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